07
Mai
Eiszeit in Beckum

07.05.1994 - Eiszeit in Beckum

Beckum (is) 30 Grad Celsius, Sonnenschein und eine dicke Eiswaffel in der Hand, was gibt es schöneres im Sommer. Noch ist es nicht ganz so warm, aber das Eis schmeckt trotzdem schon Groß und Klein. Kaum lugt der erste warme Sonnenstrahl aus der Wolkendecke hervorm herrscht im Eiscafé von Oscar und Ermana Marcon Hochbetrieb. Seit 27 Jahren verwöhnt die Familie Marcon die Beckumer mit ihren kühlen Köstlichkeiten. 1967 eröffnete Oscar Marcon mit seiner Frau auf der Nordstraße 52 sein erstes Eiscafé und im Laufe der Jahre sind nun drei Filialen in Beckum angesiedelt, die jedes Jahr pünktlich zum Karneval wieder eröffnet werden. Die Filiale an der Nordstraße 52 ist aber immernoch die Zentrale des Familienbetriebes, denn dort wird die heißbegehrte kühle Substanz hergestellt.

Seit gut vier Generetionen verstehen sich beide Seiten der Familie Marcon auf die Kunst des Eismachens. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mein Onkel in großen Holzbottichen das Eis hergestellt hat", so Oscar Marcon. Ermana Marcon erzählt weiter: "Im Gegensatz zu heute war das Eismachen früher eine richtige Knochenarbeit. Erst mussten alle Zutaten in dem großen Holzbottich vermengt werden, dann wurde das Ganze erhitzt, damit es richtig kochen konnte, dabei wurde die ganze Zeit mit dem riesigen Holzpaddel immer umgerührt, damit nichts am Boden kleben blieb. War das Eiskochen beendet, musste man die Masse wieder schnell abkühlen, damit es dann auch wirklich Eis wurde. Zum Abkühlen benötigte man jede Menge Eiswürfel."

Oscar Marcon erklärt weiter: "Dank der Technik geht das heute mittlerweile schneller. Hat man früher für 40 Liter Eis gut zwei Stunden nur zum Kochen benötigt, so werden heute in der gleichen Zeit 200 Liter Eis gekocht."

Es ist vieles einfacher geworden für den Familienbetrieb. In den Anfangszeiten wurden sogar die Eiswaffeln noch selbst gebacken, oder der Nougat selbst aus Nüssen hergestellt. "Wenn die Zeit dafür noch übrig bleibt, mache ich den Amarena heute noch selbst, ansonsten nehmen wir nur ausgewählte Produkte um unser Eis zu verfeinern", so Oskar Marcon. Ermana Marcon weiter: "Unser Eis wird nur aus frischen Zutaten hergestellt, frische Milch, frische Sahne, frische Eier, gutes Obst und so weiter. Geschmacksverstärker oder Farbstoffe haben bei uns in der Küche nichts zu suchen.

200 Liter Eis werden täglich neu hergestellt und mittlerweile können die Beckumer bei der Familie Marcon aus einem Angebot von 30 verschiedenen Eissorten wählen. Da kann man wirklich nur noch sagen: "Wer die Wahl hat, hat die Qual". Denn jedes Jahr hat die Familie Marcon eine neue Eissorte im Gepäck. "Ich habe zu Hause in Italien sogar eine Eismaschine stehen, um dort im Winter die neuen Eissorten auszuprobieren.", so Oscar Marcon.

Jedes Jahr im Winter, wenn die Familie Marcon in der Nähe von Venedig zu Hause ist, besucht sie auch die große Messe in Longerone. Dort wird alles angeboten, was des Eismeisters Herz begehrt.Maschinen zur Eisherstellung, Inneneinrichtungen für das Eiscafe und so weiter. Vor allem werden dort aber auch neue Eissorten vorgestellt. "Findet eine neue Eissorte unser Interesse, wird sie bei uns zu Hause ausprobiert", so Ermana Marcon. "Befinden wir die neue Sorte für gut, können die Beckumer sie im nächsten Frühjahr probieren."

Mittlerweile fühlt sich die Familie Marcon nicht nur in Italien zu Hause, sondern auch in Beckum. "In den ersten Jahren hatte man schon ab und zu Heimweh, aber das legte sich spätestens, als unsere Kinder Silvia und Osträ in Beckum geboren wurden", so Emma Marcon.

Heute packen beide Kinder ordentlich mit an in dem Familienbetrieb und beide wurden von den Eltern in die Kunst des Eismachens eingeweiht. Auch der jüngste Familienzuwachs, Schwiegersohn Mirco, ist voll mit einbezogen in das Geschehen.

Angst zu haben brauchen die Beckumer nicht, auch wenn Oscar und Ermana Marcon in Rente gehen sollten, die Köstlichkeiten der Familie Marcon wird es weiterhin in Beckum geben. Tochter Silvia und Sohn Osträ wollen die Geschäfte ihrer Eltern weiterführen und so dafür sorgen, dass die Beckumer nicht um ihren Eisgenuss gebracht werden.

(Artikel aus dem Sonntagsrundblick vom 8. Mai 1994)